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Rückblick 2005: Peinlichkeiten Thüringer Neonazis im WWW PDF Drucken E-Mail
04.01.2006
 Nette Überraschungen gab es im Jahr 2005 für Neo-Nazis im Internet: Duzende Foren, Shops und Webseiten wurden gehackt, deren Inhalte manipuliert, ausgelesen oder anderweitig aus dem „Weltnetz“ verbannt. Auch die Thüringer Nazis hat es hin und wieder erwischt. Neben vielen offen-
gelegten Adressdatensätzen, verschwanden Internetpräsentationen aus Kameradschafts- zusammenhängen oder von der NPD. Weiterhin wurden auch sensible Daten veröffentlicht oder mittels Fakeseiten gerade zu „eingesammelt“. Ein kleines Review der abenteuerlichsten Beispiele...

Feste auf die Völker: Keine Ruhe für Ralle Wohlleben
Der 60. Jahrestag der Befreiung Europas von Nazideutschland hätte virtuell nicht besser gekrönt werden können. Während Nazis seit Monaten in mehreren Städten Thüringens Kundgebungen durchführten und Propagandaartikel zu einer vermeintlichen „Befreiungslüge“ verteilten, wurden am 8. Mai 2005 sämtliche Seiten der Jenaer Neonazi-Szene gelöscht bzw. neugestaltet. Darunter befanden sich der „Nationale W
iderstand Jena“, die NPD-Jena und eine Mobilisierungsseite für das 
europaweite Nazitreffen „Fest der Völker“, wobei die Verantwortlichen der Seiten in den Morgenstunden bereits einen Hausbesuch von 20 AntifaschistInnen erhielten. Die Defacements waren Startschuss einer sogenannten „./hackthenazis aktionswoche“, in deren Verlauf noch weitere Seiten betroffen waren.
 
Knockout bei der AFF: Das Desaster der Isabell Pohl
Wenige Tage nach dem Nazitreffen in Jena, gingen schließlich am 15. Juni 2005 auch die Seiten der sogenannten „Aktiven Frauen Fraktion“ offline. Auf dem Server prangte danach ein Text mit Hintergrundinformationen des rechten Randes über die von Isabell Pohl geleitete Nazifrauengruppe, welche auch inhaltlich eine Konkurrenz in der rechten Szene zum eher traditionsbewussten Mädelring Thüringens darstellt. Neben dem Defacement wurden wohl auch sämtliche eMail-Postfächer geknackt und ausgelesen.


 

Klingelingeling, die Antifa ist da....
Im Frühjahr und über den Sommer hinweg wurden zahlreiche Kundendaten von Nazishops und Foreninternas wie Private Nachrichten offen gelegt, unter denen sich auch zahlreiche ThüringerInnen und Neonazis aus der hiesigen Region befanden. In den warmen Monaten des Jahres nahmen Antifas auch unzählige male persönlichen Kontakt mit Neonazis auf und strapazierten sie nervlich und finanziell. So mieteten sich Unbekannte hin und wieder bei Nazi-Busreisen ein, trieben Preise in die Höhe, 
dokumentierten dann Schleusungspunkte und Fahrten, tauchten plötzlich bei Saalveranstaltungen auf, halfen der Beschlagnahme von Rechnern und der Absage einer Kaffeefahrt nach oder besuchten einen Neonazi-Kader und seine Szene-WG, mit dem per eMail eine vermeintliche Geldübergabe vereinbart und dann telefonisch koordiniert wurde. Dumm nur, das der angebliche Kamerad auf der anderen Seite der Leitung noch 50 FreundInnen zum Date eingeladen hatte. Ein weiteres Schmankerl war die Spitzeltätigkeit der Ilmenauer Neonazi-Aktivistin Jennifer Jäger, welche über längere Zeit elektronisch die Antifa mit Strukturinformationen, Internas und Veranstaltungshinweisen der Neonazi-Szene versorgte und sich dann, als dies auszugsweise öffentlich wurde, damit zu entschuldigen versuchte, sie sei Opfer „eines Internetanschlages“ geworden.
 
NPD-Thüringen mobilisiert für Antifa-Aktionen in Arnstadt
Zu Beginn des Wintereinbruchs übernahmen dann Hacker der Gruppe Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam geschützt. Zur Anzeige muss Javascript aktiviert sein. das Forum der Thüringer NPD, den sogenannten „Mitteldeutschen Gesprächskreis“ (MGK). Das Datum scheint nicht zufällig gewählt zu sein, denn an jenem 26. November 2005 planten Neonazis der Kameradschaft Ilmkreis mit Unterstützung aus Eisenach, Gotha und Erfurt eine extrem rechte Kundgebung in der Kleinstadt. Die Seiten wurden manipuliert und so laß mensch nun als Überschrift: „Naziaufmarsch am 
26.11.05 in Arnstadt angreifen und zum Desaster machen“. Das

Nazigeschreibsel wurde ausnahmslos gelöscht und durch einige Internas der rechten Szene ersetzt. Als wäre der Reinfall nicht schon groß genug gewesen, entglasten Unbekannte vor der Kundgebung auch noch das Lautsprecherfahrzeug der Kameradschaft Ilmkreis. Trotz der Ankündigung, das Forum würde in Kürze wieder erreichbar sein, brauchten die Nazis Monate um es halbwegs wieder herzurichten. Statt dessen wurde das Forum zu einer statischen Hilfsseite umgebaut, welche den Kameraden Tipps zum sicheren Umgang mit dem Weltnetz, sowie der Bedienung von Handys und Email liefern soll.

Außerirdische entführen Kameradschafts-Seiten aus Thüringen
Zwischenzeitlich verschwanden diverse Seiten der Thüringer Neonaziszene aus den wohl verschiedensten Gründen vom Weltnetz. Neben Konrad Försters „Nationalen Beobachter Erfurt“, Martin Rühlemanns „Brauner Aktionsfront Weimar“ und Patrick Webers Nazishop „Germania Versand“ aus Sondershausen war auch die neuentstandene Seite der AFF-nahen „Bund Völkischer Sozialisten“ (BVS) aus Erfurt betroffen. Letztere hatte mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen, nach dem
im Weltnetz schon mit Bannern die Werbetrommel gerührt wurde, übernahmen Unbekannte die Domain und leiteten sie auf antifaschistische Inhalte um. Die BVSler machten sich nichts draus, tauschten amüsanterweise einfach zwei Buchstaben ihres Gruppennamens in BSV und gingen mit neuer Domain online. Um dieser Peinlichkeit ebenso ein vorzeitiges Ende zu Verleihen wurde die Seite erneut übernommen und manipuliert. Inzwischen haben die BetreiberInnen aufgegeben und firmieren mit gänzlich anderem Namen und Adresse im Netz.

Friedly Fire oder "Köpfe werden rollen..." - Der Halbesche Alkoholexzess
Während des jährlichen Heldengedenkens sorgten AntifaschistInnen dann mal wieder für viel Durcheinander in der rechten Szene. Das vom Nationalen Widerstand Thüringen und Freundeskreis Halbe aufdiktierte strikte Alkoholverbot zum jährlichen Halbemarsch wurde durch eine Nazi-Bus-Reisgruppe aus Thüringen gebrochen. Noch in Jena wurden 10 Kästen Bier angekarrt und entgegen der Vorschriften in den Bus verladen. Was sie dabei vergaßen: Auch Antifas waren in der Nähe und

dokumentierten das Geschehen. Durch Kommunikationsguerilla und entsprechender Illustrationen im Internet war der Skandal perfekt. Mit täglichen Stellungnahmen von Führungsnazis und der Androhung von Sanktionen á la „es werden auf jedenfall Köpfe Rollen“ (Thomas Gerlach, FK Halbe, Sektion Thüringen) erreichte die wochenlange Szene-Schlammschlacht ihren Höhepunkt. Antifas spekulierten nach dem Halbemarsch 2005, das die Aktionsgruppe Rennsteig im Jahr 2006 den NPD-Landesverband Thüringen stellen könnte...
 

Das Totale Chaos in Arnstadt: Nazis schicken Personalien zur Antifa
Vermutlich als Vorweihnachtsgeschenk traf es die Arnstädter Neonazis dann auch mal virtuell: Unbekannte spiegelten Anfang Dezember die Internetpräsens des Vereins „Nationalisten für Kinderrechte“ (Ein Konstrukt der Kameradschaft Ilmkreis) und manipulierten sie derart, das alle abgeschickten Mitgliedsanträge von RechtsextremistInnen nicht den reellen Verein sondern die Antifa erreichten. Als I-Tüpfelchen wurden deutschlandweit duzende Kameradschaftsseiten und Naziportale dazu
veranlasst, Banner oder Linkverweise der -bis dahin nicht enttarnten- Fakeseite (abrufbar unter: www.kinderrechte.tk) in ihre Internetseiten einzubinden. Es dauerte nicht lange und so trudelten nach kurzer Zeit eine Vielzahl von Anträgen ein, welche die Personendaten von etlichen interessierten Neonazis ethielten, ein Großteil davon auch überregional. Als nach einer Woche in der rechten Szene flächendeckend Aufklärungs-Emails verschickt wurden und ein angebliches Richtigstellungsschreiben auf dem Aktionsbüro Thüringen erschien, führten die AutorInnen der Fakeseite ein Update durch, änderten Inhalte nach ihrem Belieben und veröffentlichten sensible Daten wie Adressen der extrem rechten Vereins-Vorstände oder Kontodaten von Neonazis aus Eisenach, Arnstadt, Gotha und Meiningen. Da wir in solch prekären Situationen gerne hilfsbereit sind - Unser Tipp an die verantwortlichen Nazis: Falls so was noch mal geschieht, wäre es wohl sinnvoll auf ein Richtigstellungsschreiben zu verzichten. Immerhin hat sich beim letzten mal kurz danach auf mysteriöse Weise die angepriesene Originalseite www.kinderrechte.com in Luft aufgelöst...

Einen chronologischen Rückblick mit über 30 kreativen und informativen Antifa-Hacks im Jahr 2005 liefert eine Zusammenfassung auf Indymedia:
 
 
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