| Braune Kaffeefahrt durch Thüringen & Gegenaktionen |
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| 07.03.2006 | |||
Zwei Busunternehmen bei den Nazis begehrt Am Samstag morgen erreichten zwei Busse die 16.000 EinwohnerInnen Stadt Bad Salzungen in Südwest-Thüringen. Mit an Board insgesamt 60 Neonazis mehrheitlich aus den Regionen Gotha, Eisenach, Jena, Weimar, Arnstadt und weiteren Städten. Die Fahrzeuge vom Rhönsegler Omnibusbetrieb aus Kaltennordheim und Sell Reisen Jena spielten nicht zum ersten mal Chauffeur für braunes Gedankengut. Bereits vor einem Monat beim Nazi-Großaufmarsch am 11. Februar 2006 transportierten beide Unternehmen (letzteres mit mindestens drei Bussen) eine Horde Neonazis nach Dresden und zurück. Der Fußballfrauschaft-Bus des USV Jena kam nicht zum ersten mal für eine Kaffeefahrt der Neonazis zum Einsatz. Bereits am 20. November 2004 machte jener Bus mit 25-30 extrem Rechten nach Altenburg und Gera auch in Arnstadt halt. In Bad Salzungen sprachen die Nazileithammel Hendrik Heller (NPD Wartburgkreis; Leimbach), Patrick Paul (Erfurt) und Patrick Wieschke (Aktionsbüro Thüringen/NSAW, Kameradschaft Eisenach; Gotha) zu ihren Kameraden. Einige Hundert BürgerInnen protestierten gegen den Naziaufmarsch, bis die Neonazis wieder in ihre Busse zurückkehrten und sich auf den Weg nach Ilmenau machten. Nationalbefreite Zone via Polizeiabsperrgitter Auch die Polizei war übermässig präsent. Mit insgesamt 300 BeamtInnen, Hubschrauber und Geleitschutz durch einen Polizeikonvoi reisten die zwei Busse durch die Region. Penibel genau wurde vorher wohl aus Angst vor vermeintlich linken Anschlägen jede Brücke auf der Autobahn überprüft, noch ehe die Busse die Strecketeile passieren konnten. Noch bevor die braune Kaffeefahrt ihren Zweiten Halt in Ilmenau machte, wurde der Marktplatz in Arnstadt bereits hermetisch mit all seinen Seitenstraßen durch mehrreihige Gitter abgeschirmt und durch Polizeifahrzeuge eingekesselt. In Ilmenau stießen die extrem Rechten nicht nur auf 15 Gleichgesinnte aus selbiger Stadt, sondern auch auf einigen Widerstand durch mehrere duzend AntifaschistInnen, welche mehrfach von der Polizei abgedrängt wurden. Mehrere zivilgesellschaftliche Kundgebungen fanden in der Nähe der Neonazis statt. Jene wurden dann bei Ihrer Abreise entsprechend mit Schneebällen und einigen Flaschen verabschiedet. Antifa-Kundgebung „Kein Bus breit den Faschisten“ Zeitgleich wurde in Arnstadt eine antifaschistische Kundgebung veranstaltet, zu der auch die Gruppe Left Resistance Arnstadt [LRA] unter dem Motto „Kein Bus breit den Faschisten“ aufrief. Recht abenteuerlich liest sich der Auflagenbescheid, in dem Parolen wie „Ob Ost ob West, nieder mit der Nazipest“ als Aufruf zur Straftat gedeutet und somit verboten wurden. Dennoch verhielt sich die Polizei diesmal friedlich und kooperativ. Etwa 40 TeilnehmerInnen versammelten sich beim Warm-Up mit Musik, warmen Tee, Kuchen, Infostand und Transparenten auf dem Riedplatz, während mittels Lautsprecher über die Neonazi-Szene und deren Aktivitäten informiert wurde. Nebenan fand zur selben Zeit in einem Hotel eine Tagung über kommunalpolitische Handlungsmöglichkeiten gegen Rechtsextremismus statt. Bereits zwei Tag im Vorfeld organisierten AntifaschistInnen flächendeckende Flugblatt-Aktionen in der Innenstadt, sowie in den Regionen Arnstadt-West, Ost und im Stadtgebiet Rabenhold, welche auf außerordentlich viel positive Resonanz stießen. Nach nicht ganz einer Stunde traf die Information ein, das die Ankunft der Neonazis kurz bevorsteht. Die Kundgebung wurde spontan aufgelöst und alle TeilnehmerInnen bewegten sich zum Veranstaltungsort der Neonazis. Enttäuschung bei den Rechten: Keiner kann sie verstehen Auf dem Rathhausvorplatz am Markt fand eine Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft „Demokratie braucht Zivilcourage“ statt, bei der nach und nach immer mehr Menschen, auch etliche AntifaschistInnen von der Vorstationen der Nazi-Kaffeefahrt eintrudelten. Wenige Meter Luftlinie über die Gitter hinweg stand bereits ein kleines Häufchen verwirrter Ewiggestriger aus Arnstadt, welche keinen Platz mehr im Bus fanden - unter Ihnen einer der führenden Neonazis, Patrick Wiedorn. Es dauerte nicht lange bis die Busse auftauchten und mittels Polizei-Eskorte in den riesigen abgeschirmten Käfig auf den Marktplatz geleitet wurden. Der Protest auf der Gegenseite verschärfte sich, wurde lauter und übertönte schließlich das Spektakel der Neonazis. Zahlreiche Versuche von Antifas, an den Veranstaltungsraum der Nazis vorzudringen, scheiterten und wurden mit Willkürmaßnahmen, Personalienfeststellungen und Platzverweisen gestoppt. Während am Käfig der Nazis etwa 150 GegnerInnen standen, war die Stimmung beim Nazi-Anmelder Patrick Wieschke gedrückt. Er beschwerte sich über die zu laute Akustik, es könne Ihn ja schließlich keiner verstehen. Gefrustet meldete er eine Spontandemo an, erst in Gotha, dann in Arnstadt. Daraus wurde dann doch nichts und er fühlte sich alles andere als ernstgenommen. Nazis räumen unter Hohn und Spott wieder das Feld... Während am Rande des Käfigs ein Demonstrant ein Schild mit der Aufschrift „Nicht füttern. Die Geyer haben Vogelgrippe!“ in der Hand hielt, wurde das braune Theater dann damit komplettiert, als eben jener NPD-KV-Vorsitzender Sven Geyer mit anderen Neonazis einen zum scheitern verurteilten Versucht wagten, eine Polonaise in der Nazikundgebung zu veranstalten. Die Nazis ernteten Spott und Gelächter, verkrochen sich dann wieder in ihre Busse und machten sich auf die Heimreise. Am Bahnhof von Neudietendorf angekommen, hüpften die 60 Nazis dann noch mal aus Ihren Bussen um 20m zu laufen, wurden jedoch fix wieder vom BFE eingefangen und nach Hause geschickt. Wieschke, sichtlich enttäuscht rechtfertigte den schnellen Abmarsch damit, das es noch eine Saalveranstaltung im Anschluss geben sollte. Dumm nur, das sämtliche öffentliche Lokalitäten, bei denen er für den Tag beabsichtigte, Säle zu mieten oder dies bereits tat, dann doch einen Rückzieher machten. Exemplarisch hierfür ein Zitat, der Betreiber vom Bürgerhaus Apfelstädt: „Die Veranstaltung mit Herrn Wieschke wurde gestrichen, das können wir uns nicht erlauben, da hätten wir ja die ganzen Apfelstädter gegen uns...“. Pech gehabt Globalisierungsfreund Patrick, vielleicht beim nächsten mal :) Ergänzend verweisen wir auf die Auswertung der Antifa-Gruppe Südthüringen [AGST], welche auch explizit eine notwendige Kritik an der „Nazis raus“-Kampagne äußert und den Tag mit weiteren Bildern illustriert. http://de.indymedia.org/2006/03/140636.shtml ![]() Die ersten Menschen treffen zur Antifa-Kundgebung ein... ![]() Kein Bus breit den Faschisten ![]() Nazi-Bustouristen kommen in Arnstadt an ![]() Lokale Neonazis bauen Infostand auf ![]() Abgeschirmt von der Außenwelt und maßlos übertönt nimmt sie keiner wahr |
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