| Bundesweite Razzia gegen illegale Neonazi-Organisation |
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| 07.03.2006 | |||
119 Wohnungen in sieben Bundesländern durchsucht Dienstag, 6.00 Uhr Morgens. In den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfahlen und Bayern durchsuchen mehrere Hundert Polizeibeamte 119 Wohnungen. Die 80 Tatverdächtigen werden beschuldigt ein in Deutschland verbotenes Neonazi-Netzwerk illegal fortgeführt zu haben. In Sachsen waren 180 Beamte im Einsatz und in Bayern 220, welche dort die Wohnungen von 37 Tatverdächtigen im Alter von 21 bis 33 Jahre durchsuchten, 27 Personen wurden vorläufig festgenommen, nach ED-Behandlung und Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt. Propagandamaterial mit nationalistischem und rassistischem Gedankengut unter anderem zahlreiche verbotene Embleme, Hunderte T-Shirts, Videofilme, Computer, Handys und CDs wurden sichergestellt. Weiterhin wurden bei drei verschiedenen Verdächtigen auch zwei schussfähige Kleinkaliber-Pistolen und eine funktionsfähige Handgranate beschlagnahmt. Trotz Verbot weiterhin existent – illegales Nazinetzwerk in Deutschland Viele der sichergestellten Gegenstände hatten einen eindeutigen Bezug zu "Blood & Honour" (z.B. "B&H", "28" "Ian Stuart" "ISD-Memoria“, etc.). Der Name, der internationalen Organisation, die 1987 von dem Sänger der Rechtsrockband Skrewdriver gegründet wurde, bedeutet soviel wie „Blut und Ehre“. 1993 wurde der rechte Musikhandel nach dem Unfalltod von Gründer Ian Stuart durch die ursprünglich britische Terrorgruppe Combat 18 übernommen, die bis heute sogenannte „Redwatch“ Listen führt, auf denen Personendaten von politischen GegnerInnen geführt werden. Zahlreiche Anschläge, Überfälle und Morde waren das Resultat. Seit mindesten 1995 existiert eine B&H Division in Deutschland, die sich in zahlreiche Sektionen untergliederte. Im Jahr 2000 wurde das Netzwerk in Deutschland verboten, unterhält jedoch bis heute Strukturen und ist zum Beispiel in die Organisation von Konzerten eingebunden. Das belegen unter anderem jüngste Veröffentlichungen, z.B. zu einem szeneinternen Überfall von Neonazis bei einem Rechtsrock-Konzert in Heppenheim oder die Auswertung des antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Apabiz Berlin über das gehackte Forum der „Freien Kameradschaften Rhein Neckar“. Weitere bedeutende B&H-Divisionen existieren in Schweden, Frankreich und in den USA. ![]() Blood & Honour im Ilm-Kreis und anderen thüringischen Städten Dass es auch in Thüringen Razzien im Zusammenhang mit der B&H-Fortführung gab, überrascht nicht. Bereits im letzten Jahr fand in Jena ein europaweites Neonazi-Treffen unter dem Label „Fest der Völker“ statt, auf dem Redner und Bands von B&H-Sektionen aus anderen Ländern auftraten. Die Hausdurchsuchungen heute Morgen richteten sich in Thüringen explizit gegen acht Neonazis im Alter zwischen 19 und 34. Dabei wurden 11 Wohnungen in den Orten Arnstadt, Ilmenau, Geraberg, Meiningen, Weimar und Sonneberg durchsucht. In Arnstadt gab es eine Razzia bei dem Neonazi-Kader Patrick Wiedorn. Dieser gilt außerdem als Autor in der Szenepostille „Ilmkreis National“ und als Konzert-Organisator, der auch überregional in Erscheinung tritt. Im Juni 2004 organisierte er in Plaue, wenige Kilometer von Arnstadt entfernt, ein rechtes Skinheadkonzert zu dem mehr als 350 Neonazis anreisten. Die Polizei löste die Veranstaltung auf, verteilte Platzverweise an Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und Österreich. 10 Personen wurden wegen Verstoß gegen das Waffengesetz und wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angezeigt; Hunderte CDs, Bücher, Fanzines und T-Shirts wurden beschlagnahmt, sowie vier Personen, darunter eine bundesweit bekannte Szenegröße aus Baden-Württemberg festgenommen. Der 24-jährige wurde am 7. März 2005 im Arnstädter Amtsgericht zu einer Geldbuße von 250 Euro verurteilt, weil er das Konzert nicht anmeldet hatte. Im Herbst 2005 besuchte er eine Feier, bei der er ein T-Shirt mit dem B&H-Label trug. Wiedorn pflegt gute Kontakte zu Neonazis aus anderen Städten und versucht inzwischen zusammen mit Sven Geyer die Arnstädter Szene in eine Vernetzung zu integrieren. ![]() Patrick Wiedorn, vor 3 Tagen bei einer Nazi-Kundgebung in Arnstadt. (4.März 2006) Rechts daneben: Teilnahme an weiteren Nazi-Aufmärschen in Eisenach, Arnstadt und Erfurt. |
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