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Portraits ausgewähler Neonazis PDF Drucken E-Mail
19.01.2006


1. Sven Geyer

2. Patrick Wiedorn

3. Enrico Hartung

4. Katja Giese

5. Marcel Unger

6. Michel Kirsche

7. Steve Heerdegen


1. Sven Geyer

Der 27-jährige Neonazi bei einem von ihm mitorganisierten Aufmarsch in Eisenach
Der Neonazi-Aktivist Sven Geyer gilt als Kopf der rechtsextremen Szene in Arnstadt und Umgebung. Bereits seit dem Jahr 2003 tritt er mit seinem Zeitungsprojekt „Ilmkreis National“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit immer mehr in den Vordergrund der rechten Szene und publiziert zusammen mit anderen AktivistInnen vierteljährlich die Neonazi-Postille. Nach dem sich die Beziehungen zu anderen Neonazigruppen in Thüringen, explizit der Kameradschaft Eisenach verfestigt hatten, startete er am 20. November 2004 erstmals eine öffentlichkeitswirk same Aktion zusammen mit dem führenden Thüringer Neonazi-Kader Patrick Wieschke aus Eisenach (jetzt Gotha) meldete er eine Kundgebung auf
dem Arnstädter Marktplatz an. Weitere Veranstaltungen, wie beispielsweise eine Saalveranstaltung mit dem Rechtsterroristen Peter Naumann am 26.02.2005, illegale Aufmärsche und Kundgebungen wie am 21.11.2004, am 07.05.2005, am 13.11.2005 oder am 19.11.2005 gehen ebenfalls auf das Konto von Sven Geyer. Höhepunkt nach der Gründung des Vereins „Nationalisten für Kinderrechte“, in dem er als Vorstandsmitglied für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, war bislang eine Kundgebung am 26.11.2005 auf dem Arnstädter Riedplatz. Weiterhin initiierte er diverse andere Feierlichkeiten, darunter Jahresabschluss und Sonnenwendfeiern. Die Letzte am 17. Dezember 2005 in Arnstadt. Weiterhin betreibt Sven Geyer Anti-Antifaarbeit, was besonders im Vorfeld von Angriffen im März 2005 auffiel. Bevor und nachdem unter anderem ein linker Treffpunkt von 35 bewaffneten Neonazis gestürmt wurde, tauchte Geyer mit anderen Neonazi-Aktivisten auf und fotografierte Personen, die sich dort aufhielten. Der 27-jährige, welcher in der Öffentlichkeit und auf Veranstaltungen der rechten Szene meist
an seinem schwarzen Mantel erkennbar ist, betreut außerdem sämtliche Kommunikationsmittel der Kameradschaft, darunter Postfach, Emailaccount und Infotelefon. Von ihm angemeldeten Internetseiten wie svengeyer.de oder ik-national.de sind bislang ohne Inhalt. Überregional tritt er ebenfalls in Erscheinung, beispielsweise nahm er an einer Reichsgründungsfeier am 22. Januar 2005 im südthüringischen Dillstädt teil; sowie an diversen Aufmärschen. Exemplarisch hierfür ist unter anderem eine Großdemonstration am 13. Februar 2005 in Dresden, über die Er, neben etlichen anderen Artikeln, in der Eisenacher Neonazi-Zeitschrift „Ratatösk“ berichtet. Geyer vertritt innerhalb der Szene eine eher seltene

20. November 2004: Kundgebung in Arnstadt wurde von Sven Geyer angemeldet
Position, so schreibt er in einem „Offenen Brief zur Lage der Bewegung“: „es ist an der Zeit persönliche Opfer zu bringen...zeit zu Handeln, zu Selektieren“. Gemeint ist die strikte Trennung zwischen „nützlichen“ und unnützen Nationalisten. Exemplarisch hierfür gilt die Beziehung zur extrem rechten Szene in Südthüringen, gegen welche Sven Geyer des öfters wettert. So zum Beispiel bei einer Saalveranstaltung oder bei einer Busfahrt nach Sachsen, wo sich Geyer daran erfreut dass die „(Südthüringer) Hirnis mit Bier und amerikanischen Fliegerjacken“ bereits vor der Ankunft auf einer Raststätte rausgeworfen wurden. Statt dessen appelliert er: „wir müssen politische Soldaten werden“ und fordert zum „Kampf für Volk, Reich und Familie“ auf. Wie dieser Kampf aussieht zeigt Geyers Zeitungsprojekt in welchem er öffentlich mit der Wehrmacht, SS und Hitlerjugend sympathisiert. Nach dem öffentlich gemacht wurde, das er auch Hakenkreuze und ähnliches darin publiziert durchsuchten Staatschutz-Beamte im Herbst 2005 seine Wohnung, beschlagnahmten Briefverkehr und mehrere Rechner. Am 3. Februar 2006 wurde Geyer im Rahmen einer NPD-Gründungsveranstaltung zum neuen Vorsitzenden des Kreisverbandes im Ilmkreis gewählt.


2. Patrick Wiedorn

Wiedorn bei einer rechtsextremen Kundgebung am 20. November 2004
Patrick Wiedorn ist ein führender Rechtsextremist, der ebenfalls überregional tätig ist. Neben Sven Geyer ist er ein weiterer Ansprechpartner der Kameradschaft und verfügt über zahlreiche Kontakte zu Neonazis in anderen Städten. Ebenfalls mit Sven Geyer versucht er die rechte Szene Arnstadts bzw. des Ilmkreises organisatorisch in eine überregionale Vernetzung einzubinden. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit besteht außerdem in der Organisation von rechtsextremen Skinhead-Konzerten. Eines dieser Konzerte, welches am 5. Juni 2004 in Plaue (Vorort von Arnstadt) stattfand, stellte mit 300-350 BesucherInnen das größte Rechtsrockkonzert in Thüringen im Jahr 2004 dar. Die Polizei löste die Veranstaltung auf,
verteilte Platzverweise an Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und Österreich. 10 Personen wurden wg. Verstoß gegen das Waffengesetz und wegen der Verwendung Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angezeigt, Hunderte CDs, Bücher, Fanzines und T-Shirts beschlagnahmt sowie vier Personen, darunter eine bundesweit bekannte Szenegröße aus Baden-Württemberg festgenommen.
Der 24-jährige wurde am 7. März 2005 im Arnstädter Amtsgericht zu einer Geldbuße von 250 Euro verurteilt, weil er das Konzert nicht anmeldete. Im Herbst 2005 besuchte ereine Feier, bei der er ein T-Shirt des im Jahr 2000 in Deutschland verbotenen militanten Neonazi-Netzwerks „Blood & Honour“ trug. Weiterhin ist er Autor in der rechten Szenezeitschrift „Ilmkreis National“ und berichtet beispielsweise in der Ausgabe 9 (Januar 2005) über eine Kundgebung am 20. November 2004 in Arnstadt, bei der er ebenfalls an vorderster Front mitwirkte. So schwadroniert er auf den Seiten 16 und 17 davon, dass „Nationale Sozialisten nicht ausländerfeindlich“ seien, wettert aber

Offenes Bekenntnis zum Nationalsozialis- mus am 25. Juni 2005 in Erfurt

Mit schwarzer Fahne auf der Demonstration des Arnstädter Neonazi-Vereins/ Eisenach'05
gleichzeitig gegen den vermeintlichen „Multi-Kulti-Wahn“ und spricht von einem „klaren Erfolg für den Nationalen Widerstand“ am 20.11., bei dem Parolen wie „Sieg und Heil“ skandiert wurden. Bei Demonstrationen marschiert er ebenfalls mit, nicht selten mit seiner Schwarz-Weiß-Roten Fahne. So zum Beispiel am 25. Juni 2005 in Erfurt oder mit schwarzer FAhne am 8. Oktober 2005 in Eisenach. Der 24-jährige, der an beiden Armen tätowiert ist, ist außerdem Einkäufer bei rechtsextremen Versänden im Internet, so taucht sein Name samt Anschrift aus dem Jahr 2005 beispielsweise in den Kundenlisten des neonazistischen „Frontrecords“-Versand auf.


3. Enrico Hartung
Enrico Hartung gilt als notorischer Schläger und schreckt auch nicht davor zurück alternative Jugendliche direkt vor seiner Wohnung anzugreifen, so geschehen am 4. Dezember 2004. Hartung gehört inzwischen zum organisatorischen Kreis, meldete beispielsweise am 10. Dezember 2005 zusammen mit Sven Geyer eine Kundgebung für den 26. November 2005 im Namen des Vereins „Nationalisten für Kinderrechte“ in Arnstadt an. Auf Demonstrationen und Kundgebungen der rechte Szene tritt der 28-jähirge immer wieder in Erscheinung, so zum Beispiel am 20. November 2004 in Arnstadt oder am 8. Oktober 2005 in Eisenach. An einer Veranstaltung mit dem Rechtsterroristen Peter Naumann am 26. Februar 2005

Links neben Baum mit künstlichem Grinsen: Enrico Hartung am 20.11.05 in Arnstadt
nahm er genauso teil, wie an Treffen der Kameradschaft Ilmkreis. Mit dem Neonazi-Kader Sven Geyer ist er eng befreundet, trifft sich des öfteren in seiner Wohnung mit ihm. Hartung betreibt zusammen mit seiner Frau Katja Hartung (geb. Giese) Anti-Antifa-Arbeit. Unter anderem portraitierte er am 8. April 2005 die TeilnehmerInnen eines Mahngangs zum Gedenken der Opfer des Todesmarsches von 1945.


Der 28-jährige fordert am 8.10. mit Gleich-
gesinnten seine Haft ("Lebenslängliche
Sicherheitsverwahrung für Gewalttäter")


26.11.05 Kundgebung in Arnstadt. Hartung kurz vorm Erfrieren. Selbst Schuld, wer Demos im
Winter anmeldet! :)



4. Katja Hartung (ehm. Giese)
Katja Hartung, die Fleischfach-Verkäuferin aus dem Ilmkreis-Center fällt immer wieder während Demonstrationen der rechtsextremen Szene auf. Zusammen mit ihrem Mann Enrico Hartung betreibt sie Anti-Antifa-Arbeit und dokumentiert häufig Veranstaltungen bzw. Demonstrationen die sich gegen Neonazis richten. So zum Beispiel bei einer Kundgebung in Arnstadt am 20. November 2004 oder bei einem Aufmarsch am 8. Oktober 2005 in Eisenach. Weiterhin nimmt sie an Saalveranstaltungen von Neonazis teil unter anderem am 26. Februar 2005 mit dem Rechtsterroristen Peter Naumann in Arnstadt.


Katja Hartung am 20. November 2004 bei einer
Kundgebung in Arnstadt


Oktober 2005 in Eisenach: Erneut liegt ihr Fokus auf AntifaschistInnen


5. Marcel Unger
Der schwergewichtige bereits wegen Körperverletzung vorbestrafte Rechtsextremist Marcel Unger tritt häufiger als Schlägernazi in Erscheinung. Am Ende des Arnstädter Stadtfestes im September 2005 griff er aus einer Gruppe von sieben Neonazis in der Rosenstraße einen linksorientierten Jugendlichen an.


Unger spielte am 20. November 2004 Ordner auf
einer Kundgebung in Arnstadt


Auch im tiefbraunen Ohrdruf kümmert er sich um Technik, Aufbau & Ordnerdienst
Auf Demonstrationen der rechten Szene ist er ebenfalls gegenwärtig, so zum Beispiel am 25. Juni 2005 in Erfurt oder am 8. Oktober 2005 in Eisenach. Bei einer versuchten Kranzniederlegung zu Ehrung der deutschen Soldaten unter dem Motto „Heldendengedenken“ am 7. Mai 2005 in Arnstadt war Unger ebenfalls beteiligt, lief jedoch nach der vorzeitigen Auflösung durch die Polizei enttäuscht mit seiner Schwarz-Weiß-Roten Fahne zurück in seine Wohnung. Weiterhin beteiligte sich Unger am Aufbau und der Durchführung, von rechtsextremen (Protest-)Veranstaltungen. Beispielsweise als Ordner bei einer Kundgebung am 20. November 2004 in Arnstadt oder am 21. Mai 2005 in Ohrdruf, bei der er auch die Lautsprecheranlage mit aufbaute.


Hochsommer 2005: Unger auf dem Weg seiner
modischen Selbstfindung...


...bis zum Herbst 2005. Gehör oder Gerhirn- schaden? Marcel U. als "Autonomer Nationalist"
Als am 20. August 2005 rund 100 Thüringer Rechtsextremisten mit zwei Bussen eine Ersatzdemonstration für den verbotenen Marsch zur Ehrung des Hitlerstellvertreters Rudolf Hess in Arnstadt durchführen wollten, war Unger ebenfalls anwesend. Inzwischen tritt er bei öffentlichen Veranstaltungen häufig im „Autonome Nationalisten“-Outfit auf.


6. Michel Kirsche
Der 23-jährige Arnstädter tritt häufiger in Erscheinung, fungierte unter anderem am 20. November 2004 bei einer rechtsextremen Kundgebung in Arnstadt als Ordner, während „Sieg und Heil“ skandiert wurde. Am 2. Februar 2005 war er zugegen, als Jugendliche in der Nacht entstandene Graffitis mit rassistischen Parolen und einer gesprühten Reichskriegsflagge an einem Discountermarkt entfernten. Als am 8. Mai 2005 Thüringer Rechtsextremisten zur NPD-Großdemonstration nach Berlin fuhren, hielt jener Bus auch in Arnstadt. Im Norden der Stadt lotste Kirsche Neonazis aus dem Gebiet Gotha zum Treffpunkt und wurde wenig später abgeholt. In der Nacht zum 2. September 2005 attackierte er die Wohnung eines linken Jugendlichen, wobei ein Fenster zerstört wurde. Knapp einen Monat später marschierte der Landserfan, der momentan die Fachoberschule Technik in der Erfurter Rudolf Dieselschule besucht, erneut bei einem rechtsextremen Aufmarsch in Eisenach mit.


20.11.04 Nazi rastet auf der Kundgebung aus,
nachdem sein Auto von Antifas besetzt wird. Michel
Kirsche im halbschlaf nimmt Ordnerfunktion nicht
wahr. Seine "Kameraden" müssen einspringen...


Etwas fitter, diesmal ohne Ordner-Binde, am 8. Oktober 05 in Eisenach: Der 23-jährige Landserfan marschiert mit rund 250 Neonazis durch die Wartburgstadt


7. Steve Heerdegen
Der rechtsextreme Schläger Steve Heerdegen trägt in der Szene nicht grundlos den Namen „Knochi“. Seit einiger Zeit fällt er als brutaler Schlägernazi auf, überfiel mehrfach linksorientierte Jugendliche, prügelte in seinen Gewaltexzessen gar auf behinderte Rollstuhlfahrer ein. Als im Oktober 2003 zwei Jugendliche eine Gaststätte betraten und dort eine Gruppe Neonazis vorfanden, verließen sie auf der Stelle das Lokal. Heerdegen und ein weiterer Neonazi stürmten daraufhin aus dem Gebäude, griffen ohne zu zögern die beiden Jugendlichen an, schlugen einen davon schwer zusammen. Als ein 17-jähriger bereits blutig am Boden lag, trat Heerdegen mehrfach auf dessen Kopf ein, bis die Schädeldecke zersplitterte. Er wurde Mitte 2004 dafür und wegen anderer Körperverletzungsdelikte zu einer Strafe von einem Jahr auf 3 Jahren Bewährung verurteilt und zur Zahlung von je 500 Euro an den Rollstuhlfahrer und den 17 Jährigen verurteilt.

Steve Heerdegen (2.v.l.) bei einer Kundgebung am 20.11.04 auf dem Marktplatz
Das dieses Urteil irrelevant für den Gewaltfanatiker ist, zeigten Überfälle im Frühjahr 2005 in Arnstadt und Umgebung. Am 27. März 2003 überfielen bei einem Osterfeuer in Haarhausen etwa 40 Neonazis 5 linke Jugendliche unter der Rädelsführerschaft von Heerdegen. Die Opfer wurden bis zu ihrem Auto unter Flaschenhagel verfolgt, anschließend traten rund 20 Neonazis auf das Auto ein und beschädigten dies massiv. Drei Tage später erfolgte ein erneuter „Großangriff“, dabei wurde ein linker Treffpunkt beim Arnstädter Skaterpark von mindestens 35 mit Baseballschlägern und Kette bewaffneten Neonazis gestürmt.
Ein Jugendlicher wurde nach der Aktion bewusstlosgeprügelt im angrenzenden Stadtpark aufgefunden. Am nächsten Morgen bedrohte Steve Heerdegen mit drei weiteren Neonazis in der Innenstadt ein Mädchen mit den Worten: „gestern habt ihr glück gehabt, heut geht es nicht so gut für euch aus“, wodurch er sich zynisch zu den Gewaltakten bekannte. Auch zwei Wochen danach kam es zu Provokationen und Angriffen während einer Schulfeier,
bei der rund 20 Neonazis auftauchten; ein Jugendlicher wurde blutig geschlagen. Mitte Juni beteiligte er sich erneut bei Übergriffen, als auf dem Arnstädter Wollmarkt 10 linke Jugendliche von etwa 50 Neonazis attackiert wurden. Der 21-jährige, oft in Hemden oder Szenekleidung zusehen, besuchte mehrfach Demonstrationen und Kundgebungen der rechten Szene. So zum Beispiel am 20. November 2004 in Arnstadt oder am 25.Juni 2005 in Erfurt. Außerdem war er bei einer Rudolf Hess-Ersatzdemonstation am 20. August 2005 in Weiswasser sowie wenige Stunden später bei einer ähnlichen Versammlung in Arnstadt anwesend, wobei letztere verhindert wurde.

Am 25. Juni 2005 marschiert der 21-jährige (Mitte) Schläger mit 250 Neonazis durch Erfurt


 
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