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8. Mai: Verstärkte Neo-Nazi-Aktivitäten in Arnstadt PDF Drucken E-Mail
05.05.2005
In Vorbereitung zum diesjährigen 8. Mai, dem 60. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus gab es auch in Arnstadt und Umgebung verstärkte Neo-Nazi-Aktivitäten. In der 1. Maiwoche wurden teilweise ganze Straßenzüge flächendeckend mit rechtsextremer und geschichtsrevisionistischer Propaganda verunreinigt. Wenig später startete die Kameradschaft Ilm-Kreis eine Flugblatt-Verteilaktion, in der erneut TäterInnen zu Opfer gemacht wurden. Am 7. Mai versuchten dann 37 Neo-Nazis ein Kundgebung in Arnstadt durchzuführen und bereits am 8. Mai war jene Stadt zentraler Treffpunkt für die neofaschistische Szene aus der Region, welche zur bundesweiten Neo-Nazidemo nach Berlin fahren wollte. Zur Megabusfahrt am Sonntag Morgen waren auch Antifas angemeldet...
Thüringer Neo-Nazis mobilisieren nach Berlin
Schon in den letzten Wochen mobilisierten Thüringer Neo-Nazis über Telefon und Internet zur bundesweiten Neo-Nazidemo nach Berlin. Im Freistaat wurde dazu eine Buskoordination in den Regionen Nord, Ost und Westthüringen errichtet. Für die Organisation und Finanzierung im Bereich Westthüringen , war der mehrfach vorbestrafte Eisenacher bzw. Neu-Gothaer Nazikader Patrick Wieschke zuständig. Zur gemeinsamen Busfahrt nach Berlin wurde ein Doppeldecker der bayrischen Firma "Schödel Reisen" gemietet. Viele Interessenten aus der rechten Szene zahlten eine Woche vor der Fahrt einen Betrag von jeweils 17 Euro, auf ein Konto der Postbank München, welches ebenfalls auf den Rechtsextremisten und führenden NSAW-Kopf Wieschke registriert ist.

8. Mai in Arnstadt: Zentraler Treffpunkt für die Region
Nach unseren Recherchen wurde in Arnstadt für Sonntag, den 8.Mai um 6:30 ein zentraler Treffpunkt für die neofaschistische Szene aus der Region Ilmenau, Arnstadt und Gotha eingerichtet. Bereits Ende April waren 13 Arnstädter Neo-Nazis auf der Registrierungsliste für die Busfahrt nach Berlin eingetragen. Auch einige Antifas wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen und buchten zahlreiche Sitzplätze auf Kosten der Organisatoren. Am besagten Morgen wurde schließlich die gesamte Innenstadt von Antifas kontrolliert, bei den Rechtsextremisten gab es verschiedene Treffpunkte. Einer davon, war der Kaufland-Parktplatz in Arnstadt Nord, wo der lokale Nazikader Kirsche eine kleinere Gruppe Gothaer Neo-Nazis hinlotste. Wenig später kam auch schon der rote Jumbo-Liner, dessen 96 Sitzplätze bereits überwiegend mit Glatzköpfen besetzt waren. Von da aus ging es in Richtung Erfurt nach Berlin, mit einer JN-Fahne in der Heckscheibe und polizeilichem Geleitschutz.

Von "Befreiungslüge" bis "Anti-Antifa Arnstadt"
In den Tagen davor wurde massiv Neo-Nazipropaganda geklebt und verteilt, diesmal mit dem Schwerpunkt 1. und 8. Mai sowie Anti-Antifa. Erneut führte die Kameradschaft Ilm-Kreis unter dem unverfänglich klingenden Namen "Gegen das Vergessen" (jedoch mit identischem Postfach) zahlreiche Flugblattaktionen durch. In dem Text, der wieder mal vor deutschen Opfermythen nur so strotzt, wird unter anderem behauptet, das fast 5 Millionen Deutsche nach dem 8. Mai ums Leben kamen. Nach einer Rechnung der Kameradschaft Ilm-Kreis gäbe es ein "weiteres Leichenfeld von Wien bis nach München", denn "auf 1.200km Entfernung kämen pro Kilometer jeweils 3980 Leichen (...)". Abgesehen von dem eher unprofessionellen Flugblatt wurden teilweisen flächendeckend Aufkleber & Co. von der JN, dem Verlag "Deutsche Stimme" und dem NSAM (Nationales und Soziales Aktionsbüro Mitteldeutschland" verteilt. Weitere Propaganda gab es zum Thema 1. Mai, sowie zur "Anti-Antifa". Mit Parolen wie "Antifa zerschlagen" aber auch Plakaten, auf denen das Logo der Antifaschistischen Aktion durch "Anti-Antifa Arnstadt" ausgestauscht wurde, verunreinigten sie die Innenstadt. Bereits im Vorfeld wurde 8.Mai Propaganda der Neo-Nazis auch anderweitig verbreitet, so fuhr öfters ein Fahrzeug von lokalen Neo-Nazis als Werbeträger für Internetadressen und Parolen wie "8. Mai - wir feiern nicht!" durch Arnstadt.

Nachtrag:

Neo-Nazis versuchen linkes Zentrum zu stürmen
Die NPD-Demo fiel ins Wasser und die etwa 2000-3000 Neo-Nazis wurden um 17:40 von Berlin aus wieder nach Hause geschickt. Die drei Busse aus Thüringen fuhren zusammen nach Dessau (Sachsen-Anhalt) und versuchten dort ein linkes Zentrum anzugreifen. Mit dabei war nach Informationen eines Polizeisprechers auch der rote Doppeldecker des Bayreuther Busunternehmens Schödel, welches unter anderem Rechtsextremisten aus dem Ilm-Kreis, Arnstadt und Gotha transportierte. Die beiden anderen Busse stammten aus Weimar und dem Wartburgkreis. Glücklicherweise konnte die versuchte Stürmung, an der 100-200 Neo-Nazis aus Thüringen beteiligt waren, verhindert werden.
 
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