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Gotha: Neo-Nazikundgebung und Gegenaktivitäten PDF Drucken E-Mail
05.05.2005
Am Mittwoch, dem 4. Mai 2005 versammelten sich auf dem Gothaer Neumarkt gegen 16:30 ca. 25 Neo-Nazis aus dem Großraum Gotha und Wartburgkreis. Die Kundgebung unter dem Motto "Wir feiern nicht - wir klagen an" bestand überwiegend aus rechtsradikalen Jugendlichen (Ohrdruf), sowie Neo-Nazis der Kameradschaft Eisenach, dem "Nationalen Widerstand Gotha" und dem Thüringer Heimatschutz. Durchweg bekannte Gesichter die auch bei den letzten Neo-Naziveranstaltungen in Gotha (2.4.) und Erfurt (16.4.) anwesend waren.
 
Innenstadt hermetisch abgeriegelt
Bereits am Bahnhof gab es verschärfte Kontrollen, sowohl bei den Rechtsextremisten als auch bei den NazigegnerInnen, welche sofort Platzverweise von der Polizei erhielten. Das Thüringer Innenministerium hatte anscheinend nach den letzten Blamagen gelernt und so wurde die gesamte Innenstadt im Gebiet der Kundgebung hermetisch von den Einsatzkräften abgeriegelt. Die Neo-Nazis wollten auf Korruption in der Kommunalpolitik sowie auf eine sogenannte "Befreiungslüge" zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus aufmerksam machen. Mit ein paar schwarzen Fahnen, grauenhafter "Musik" und hohlen Phrasen stand da nun ein kleines Häufchen, bestehend aus überwiegend kahlköpfigen "Freien Nationalisten", durchnässt im Regen und verteilte ein neues "Unabhängiges Mitteilungsblatt". Der sogenannte "Rennsteig-Bote" soll im A3-Faltformat Gothaer Neo-Nazis als Sprachrohr dienen und berichtet mehrheitlich über regionale Themen. Für die Initiatoren sei eine "freie und unabhängige deutschbewusste Informations- und Nachrichtenpolitik zum Wohle und Gemeinnutz des ganzen deutschen Volkes" zwingend erforderlich. Der letzte Teil des Flugblatts sowie der Inhalt der Kundgebung und die mitgebrachten Transparente strotzen nur so vor geschichtsrevisionistischen Ressentiments und deutschen Opfermythen anlässlich der 60jährigen Befreiung.

Neo-Nazis kamen mit Waffen und verbotenen Symbolen
Nach dem schon das Wetter nicht mitspielte, zeigten auch die eigenen TeilnehmerInnen der Neo-Naziversammelung, was sie von den neuauferlegten Verhaltenstipps ihrer Leithammel des sogenannten "Nationalen Widerstands Thüringen" halten: "Disziplin? Nein Danke!". So brachten jene Neo-Nazis nicht nur verfassungswidrige Symbole, sondern auch Waffen wie Schlagring und Luftdruckpistole zur öffentlichen Veranstaltung mit. Anzeigen, Gewahrsamnahmen und Festnahmen waren die Folge. Während die übriggebliebenen Rechtsextremisten weiter ihre "Soziale Gerechtigkeit für alle Deutschen" zelebrierten gab es verschiedene Gegenaktivitäten.

Spontane Demonstration Richtung Nazikundgebung
Außerhalb der Innenstadt sammelten sich rund 35 AntifaschistInnen und Punks zu einer kleinen Spontandemo, die auf die Naziveranstaltung zusteuerte. Begleitet von Megafon, Transparenten und Sprechchören drang die Demo bis in die Sperrzone vor, wurde dann jedoch von der Polizei eingekesselt. Während die Beamten die Personalien der NazigegnerInnen feststellten, filmten zwei Neo-Nazis von einem nahegelegenen Balkon und zeigten mehrfach -ungestört- den Hitlergruß.
Abgesehen davon flog den ganzen Nachmittag über die Innenstadt ein Kleinflug mit einem großen Banner "8.Mai - Der Tag der Befreiung!" und etwas weiter entfernt gab es eine bürgerliche Gegenkundgebung am Gedenkstein für den Antifaschisten Widerstandskampf während des Naziregimes. Die Neo-Nazis wurden während ihrer Abreise vom Kundgebungsort zum Bahnhof noch lautstark begleitet.
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
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