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Hausbesuch und Blockadeaktion bei Thüringer Nazikader PDF Drucken E-Mail
30.05.2005
Im Zuge der Proteste gegen den diesjährigen „Thüringentag der Nationalen Jugend“ gab es unter anderem einen Hausbesuch samt Blockadeaktion beim stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Ralf Wohlleben, der den vierten „Thüringentag“ am 28. Mai in Weimar sowie das Treffen der europäischen Neo-Naziszene am 11. Juni in Jena angemeldet hatte. Ziel der Aktion war es, Wohlleben samt Technik an der Abreise zum Veranstaltungsort zu hindern und seine Umgebung auf das Treiben des Rechtsextremisten aufmerksam zu machen.
 
Aktionen vor dem „Braunen Haus“
So sammelten sich am frühen Samstag Morgen etwa 40 AntifaschistInnen vor der Jenaischen Straße 25 – ein Gebäude, das nicht nur als rechtes Schulungszentrum in Thüringen fungiert, sondern den Nazikadern Ralf Wohlleben und Andre Kapke seit einiger Zeit auch als Wohnsitz dient. Gegen halb Neun waren nur noch wenige Nazis auf dem Gelände des „braunen Hauses“, im Hinterhof befand sich ein einsames Fahrzeug und ein kleiner LKW. Während die AnwohnerInnen bereits mit Flugblättern in den Briefkästen über die Machenschaften der in Jena-Lobeda ansässigen Neo-Nazis informiert wurden, entrollten AntifaschistInnen ein Transparent vor der Haustür von Wohlleben, welches sich gegen die neofaschistische Großveranstaltung richtet, die mit dem Namen „Fest der Völker“ in zwei Wochen stattfinden soll. Der zweite Eingang wurde mit einem Müllcontainer verbarrikadiert. Nach einer halben Stunde traf die Polizei ein und nahm die Personalien von allen Anwesenden auf, während zeitgleich eine Spontankundgebung vor dem Haus von Wohlleben angemeldet wurde. Wenig später kam „Ralle“ Wohlleben vorbei und betrat mit mehreren Neo-Nazis das Gebäude, in dem auch der NPD-Kreisverband Jena seinen Sitz hat. Immer wieder waren laute Sprechchöre in Jena-Lobeda zu hören.

Neo-Nazis durch Sitzblockade gestoppt
Als die Rechtsextremisten rauskamen und sich auf den Weg nach Weimar machen wollten, liefen die AntifaschistInnen auf das Auto von Wohlleben zu. Etwa 10 Beamte bildeten eine Polizeikette, um die Abfahrt der Neo-Nazis zu sichern. Die Kette wurde von den GegendemonstrantInnen sofort durchbrochen und Wohlleben aus nächster Nähe besucht, hinter seinem Fahrzeug stellten sich 20-30 Antifas auf und blockierten für einige Zeit die Abfahrt, so das dass betroffene Fahrzeug zwischen der Sitzblockade und dem verbarrikadierten Tor eingekeilt war. Nach kurzer Zeit trafen auch schon die ersten 50 Schläger der Göppinger Bereitschaftspolizei (Baden-Württemberg) in voller Kampfmontur ein. Während der Trupp vor der Blockade stehen blieb stürmte der Einsatzleiter mit den Worten „Ich habe da meine eigenen Methoden!“ in die Menge und schlug einem friedlichen Demonstranten brutal ins Gesicht. Die Sitzblockade wurde nach 30-60 Minuten geräumt, 22 Personen wurden festgenommen und vereinzelt in Handschellen abgeführt. Gegen sie wurden Anzeigen wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung erstattet.

„Thüringentag“ : Reinfall für die rechte Szene
Die Rechtsextremisten fuhren dann ungehindert nach Weimar, wo sich im Laufe des Tages nur ein Häufchen von etwa 100-150 Neo-Nazis aus ganz Thüringen sammelte. Der Theaterplatz wurde Ihnen verwehrt, da Wohlleben bei der Anmeldung 500 Teilnehmer angab und auf Grund dieser Größenordnung die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte - statt dessen mussten sie auf den Herrman-Brill-Platz ausweichen. Das war neben der geringen Teilnehmerzahl inzwischen die dritte Pleite für Wohlleben, da bereits am Vortag der neugewählte NPD-Kreisvorstand Martin Rühlemann wegen mehreren Vorstrafen als stellvertretender Versammlungsleiter abgelehnt wurde. Nach Redebeiträgen von Frank Schwerdt (NPD Thüringen), Michael Burkert (Skinheadclub Friedrichroda/NPD Gotha) und Patrick Wieschke (Kameradschaft Eisenach/NSAW) schallte vom Stadionvorplatz Neo-Nazimusik, die unter anderem von der ostsächsischen Band „Astaru“ aus dem Umfeld einer sog. "Division 28" gespielt wurde. Gegen 16:00 wurde schließlich die erfreuliche Mitteilung verkündet, das der Thüringentag vorzeitig aufgelöst werden solle. Nach Behördenangaben, handele es sich eher um eine Vergnügungsveranstaltung als um eine politische Kundgebung, die daher nicht vom Versammlungsrecht gedeckt werden könne. Außerdem wurden vier Neo-Nazis wegen Waffenbesitz und verbotenen Symbolen festgenommen. In der Innenstadt gab es breiten bürgerlichen Protest: Um 7:30 wurde das Theater symbolisch von 150 Menschen verhüllt und im späteren Verlauf nahmen 600 DemonstrantenInnen an einer BgR-Demo teil. Noch am Abend sammelte sich in Jena eine kleine Gruppe von 14 Neo-Nazis und protestierte gegen die vorzeitige Beendigung ihrer Nazifeier.

Der Reinfall des Thüringentages dürfte ein kleiner Vorgeschmack für das kommende „Fest der Völker“ sein. Daher am 11. Juni: Europaweites Nazi-Treffen in Jena verhindern!
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
  
 
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