| Versuchter Neo-Nazi Aufmarsch in Arnstadt am Antifascist Actionday |
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| 25.08.2005 | |
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Während in Wunsiedel mehr als 2000 AntifaschistInnen den Hitlerstellvertreter und Bruchpiloten Rudolf Hess ein zweites Mal gebührend beerdigten, versuchten etwa 100 Thüringer Alt- und Neo-Nazis in zwei Bussen einen Aufmarsch in Arnstadt, als Ersatzveranstaltung für den in Wunsiedel verbotenen Hessmarsch durchzuführen. Erfolglos.
Die Verherrlichung des Nationalsozialismus Lange im Voraus schon kündigten Nazis europaweit ihren fast schon rituellen Aufmarsch in Wunsiedel, der Ruhestätte des NS-Bruchpiloten Rudolf Hess an. Ziel war die Verherrlichung des Nationalsozialismus, in Form von Lobpreisung des Hitlerstellvertreters selbst und das offene Propagieren geschichtsrevisionistischer Überzeugungen. Hess bietet NationalsozialistInnen die Möglichkeit ohne staatliche Repression einen Protagonisten des Dritten Reiches zu huldigen. Schon im Jahr 2005 versammelten sich mehr als 4500 Alt- und Neo-Nazis im bayrischen Wunsiedel. Im Jahr 60 nach der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus wurde der von Jürgen Rieger angemeldete Aufmarsch auf höchster richterlicher Instanz verboten. Nach dem Wunsiedelverbot prägte Konfusion die rechte Szene. Auf einen zentralen Ausweichort konnte mensch sich kurzfristig nicht einigen und so verschlug es die organisierten Nazi-Busse nach Berlin, Magdeburg, Nürnberg, Roskilde und andere Städte. Nur wenige Querschläger folgten dem Aufruf Horst Mahlers trotz Verbots nach Wunsiedel zu fahren und quasi durch Massenverhaftungen öffentlich Druck zu erzeugen und ihren Protest zu demonstrieren. Aufmarschversuch in Arnstadt Auch in Thüringen organisierten RechtsextremistInnen mehrere Busse für den 20. August. Nach einer vorerst in Jena angemeldeten Demonstration mobilisierten die Thüringer Neo-Nazis letztendlich doch nach Magdeburg. Auf halber Wegstrecke vom Versammlungsverbot in Magdeburg überrascht, machten die FaschistInnen kehrt und versuchten sich in Jena. Jedoch wurden sie hier alles andere als wohlwollend empfangen. Die Polizei machte die Stadt dicht und schickte den braunen Mob weiter. Nun wurde der Arnstädter Herkules-Parkplatz als geeignetes Aufmarschterrain auserkoren. Jedoch kamen die ca. 100 Bus-Insassen nicht weiter als zur Fahrzeugtür. Von BFE-Beamten wurden sie gekesselt und 2 Stunden festgehalten. Kundgebungsmittel, wie Transparente, Megafon und Fahnen wurden beschlagnahmt. Unter den Eingekreisten befanden sich, neben der Meininger Nazi-Kaderin Ivonne Mädel, auch zahlreiche Arnstädter Neo-Nazis, wie die Schläger Marcel Unger und Steve Heerdegen. Nach ausgiebiger polizeilicher Behandlung fuhren die Thüringer Rechtsradikalen wieder nach Hause, ohne den Nationalsozialismus öffentlich glorifiziert zu haben. Im Vorfeld zum Hessgedenktag klebten lokale Neo-Nazis am 16. August A4-Plakate (1, 2) von ihrem Bruchpiloten in Arnstadt. AntifaschistInnen entfernten die Propaganda noch am selben Tag im Westviertel, an der Setze, am Bahnhof, sowie am Ried. Das biedere Stadtbild von Arnstadt zieren nun die Plakate (1, 2) der Gegenmobilisierung. Wunsiedel, Fokus der „Hess-Wochen", blieb nazifrei Das Demonstrationsverbot für Wunsiedel wies Alt- und Neo-Nazis in die Schranken und so verirrten sich nur die Wenigsten in die bayrische Kleinstadt. Anders lief die Mobilisierung auf antifaschistischer Seite. Zum „Antifascist Actionday“ rief ein breites Bündnis politisch-linker Gruppen auf, um in Wunsiedel ein Zeichen gegen NS-Verherrlichung und deutsche Opfermythen zu setzen. Trotz bundesweiten rechten Ausweichaufmärschen, welche breiten Protest erregten, folgten dem Aufruf der Kampagne „NS-Verherrlichung stoppen“ mehr als 2000 AntifaschistInnen und erlebten in Wunsiedel eine kraftvolle und lautstarke Antifa-Demonstration, welche ein Zeichen setze, was weit über den antifaschistischen Aktionstag hinausging. Probleme gab es während der Demo nur mit der Polizei, welche jedoch zu keiner Zeit in der Lage war den Zug aufzulösen oder für längere Zeit zu stoppen. Die Demonstration lancierte ein umfangreiches Rahmenprogramm der Antifakampagne. Auch von bürgerlicher Seite gab es Bemühungen den symbolträchtigen Tag zu färben, so organisierten Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Vereine ein Open Air Konzert, sowie ein Straßenfest unter dem Motto „Wunsiedel ist bunt, nicht braun“. Bundesweiter Widerstand gegen Neo-Naziaktionen am Hessgedenktag Nach dem bekannt werden des Demonstrationsverbotes für Wunsiedel mobilisierten die RechstextremistInnen nun nicht mehr zentral, sondern verstreut im In- und Ausland. So verschlug es beispielsweise Christian Worch und seine Pilger nach Dänemark (Roskilde). Besonders gefallen hat Hamburgs Berufsdemonstrant, dass er den Hitlergruß und das Skandieren von „Sieg heil“ nun öffentlich propagieren konnte. Bundesweit riefen Nazis zu Veranstaltungen in Berlin (ca. 700 TeilnehmerInnen), Magdeburg (kurzfristig noch verboten) und Nürnberg (ca. 300 TeilnehmerInnen) auf. Der Wunsiedelanmelder und Rechtsanwalt Jürgen Rieger versteckte sich auf der NPD-Kundgebung in Nürnberg. Ein Marsch der Neo-Nazis durch Nürnberg konnte durch mehr als 1000 AntifaschistInnen verhindert werden. Die Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz war vollständig abgesperrt von Gittern und Polizei, dahinter positionierten sich die anwesenden GegendemonstrantInnen und brachten ihren Protest lautstark zum Ausdruck. Gegen 19 Uhr wurde die NPD-Kundgebung schließlich aufgelöst und die sichtlich gefrusteten und isolierten TeilnehmerInnen begaben sich zu ihren Bussen, jedoch nicht ohne den einen oder anderen Klapps mit nach Hause zu nehmen. Spontan reagierten ca. 600 Nazis auf das Demonstrationsverbot in Magdeburg mit einer Demonstration durch Peine, unbehelligt von Stadt und Polizei. Auch in Weißenfels und Ingolstadt demonstrierten jeweils ca. 100 Rechtsradikale spontan. |
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